webOS kommt nicht vom Fernseher
Das System auf LG-Fernsehern hat eine ungewöhnliche Vorgeschichte. Es ist keine Eigenentwicklung des Fernsehherstellers: LG hat webOS im Jahr 2013 von HP übernommen – Quellcode, Dokumentation, Entwicklungsmannschaft und Lizenzen an Schutzrechten, darunter von Palm erworbene Patente zu grundlegenden Betriebssystem- und Bedienoberflächentechniken. Erklärtes Ziel der Übernahme war die Smart-TV-Technik der nächsten Generation; das System selbst stammt also aus einer Zeit vor seinem Einsatz im Fernseher.
Von dieser Herkunft ist eine Grundentscheidung geblieben, die für IPTV mehr Folgen hat als jede Menüstruktur: Anwendungen sind auf webOS Web-Anwendungen. Der Hersteller beschreibt sie als Programme aus HTML, CSS und JavaScript, die entweder als Paket auf dem Gerät liegen oder von einem Server geladen werden; darunter arbeitet ein Linux-Kern, dessen Dienste für Medien, Netzwerk und Fernsehfunktionen die Anwendung über einen Systembus anspricht. Sie laufen also in einer Laufzeitumgebung, die der Fernseher bereitstellt – nicht als eigenständige Programme auf dem System.
Diese Bauweise erklärt beinahe alles, was auf dieser Plattform anders funktioniert, als Nutzer es von einem Telefon oder einem Rechner kennen. Sie ist zugleich der Grund, warum eine Klickanleitung zu diesen Geräten selten lange stimmt, eine Erklärung der Plattform aber über Jahre trägt. Menüpunkte werden umbenannt und verschoben; die Architektur darunter bleibt.
Der Unterschied zu Tizen – und wo es keinen gibt
Wer zwischen einem Samsung- und einem LG-Fernseher schwankt, sucht meist nach einem Unterschied in genau einer Frage: Kann ich darauf die Anwendung installieren, die ich nutzen möchte? Die ehrliche Antwort lautet, dass sich die beiden Systeme hier nicht unterscheiden. Beide sind geschlossen. Der hauseigene Store ist auf beiden der vorgesehene Weg, und eine Installation daran vorbei ist auf beiden keine Nutzerfunktion.
Auf webOS lässt sich das am dokumentierten Gegenbeispiel zeigen. Der Hersteller beschreibt genau einen Weg, eine Anwendung ohne seinen Store auf ein Gerät zu bringen, und der ist als Werkzeug für Entwickler angelegt: Er verlangt ein Entwicklerkonto beim Hersteller, eine Anmeldung damit am Fernseher und die Kommandozeilenwerkzeuge des Herstellers auf einem Rechner im selben Netz. Der so eingeschaltete Entwicklermodus bleibt zudem nur für eine begrenzte Zeit aktiv und muss verlängert werden. Für den Alltag ist das nichts. Wer im Netz auf Anleitungen stößt, die etwas anderes versprechen, sollte sie mit Vorsicht behandeln.
Die Unterschiede liegen woanders, und zwei davon sind praktisch relevant.
Es sind zwei getrennte Store-Welten. Eine Anwendung, die es für die eine Plattform gibt, gibt es deshalb nicht automatisch für die andere. Entwickler müssen jedes System gesondert bedienen, mit eigenem Paketformat, eigener Einreichung und eigener Pflege. Für kleine Anbieter ist das ein echter Aufwand – und genau deshalb ist die Auswahl an Playern auf beiden Fernsehsystemen kleiner als auf einer Android-basierten Plattform. Welche Eigenschaften einen Player überhaupt unterscheiden, ordnet der Bereich Apps ein.
Die Bauweise der Anwendungen ist verschieden. Ein Paket für das eine System läuft auf dem anderen nicht, und eine Installationsdatei aus der Android-Welt läuft auf keinem von beiden. Es gibt kein Format, in das sie sich umwandeln ließe.
Geschlossenes System, praktisch übersetzt
Geschlossen heißt nicht, dass das Gerät wenig kann. Es heißt, dass eine andere Partei als Sie entscheidet, welche Software darauf laufen darf. Der Store des Herstellers ist damit nicht eine Bezugsquelle unter mehreren, sondern die vollständige Liste des Möglichen. Was dort nicht steht, existiert für dieses Gerät nicht – unabhängig davon, wie leistungsfähig es ist.
Was es bedeutet, dass der Player eine Web-Anwendung ist
Auf einer offenen Plattform ist ein Player ein Programm, das die Wiedergabe weitgehend selbst erledigt und im Zweifel einen eigenen Dekoder mitbringt. Auf webOS ist er näher an einer Bedienoberfläche: Er liest die Playlist, baut daraus eine Senderliste, lädt die Programmdaten – und übergibt den eigentlichen Stream an die Medienfunktionen des Fernsehers. Daraus folgen vier Grenzen, die keine Anwendung verschieben kann.
Der Dekoder gehört dem Gerät. Welche Verfahren – H.264, HEVC, VP9, AV1 – in Hardware dekodiert werden, entscheidet die Elektronik des Fernsehers. Der Hersteller veröffentlicht die unterstützten Verfahren und Containerformate getrennt für jede Plattformgeneration und bindet Auflösung und Bildrate darin zusätzlich an die Geräteklasse – schon das zeigt, dass hier keine allgemeine Aussage über webOS möglich ist, sondern nur eine über Ihr Gerät. Eine Anwendung kann nicht einspringen, indem sie in Software dekodiert; dafür ist in dieser Laufzeitumgebung weder der Weg noch die Rechenleistung vorgesehen. Liefert Ihre Quelle in einem Verfahren, das der Fernseher nicht beherrscht, bleibt das Bild schwarz oder die Wiedergabe stockt, und der Wechsel des Players ändert daran nichts.
Die Rechteverwaltung ebenfalls. Kopierschutz setzt nicht die Anwendung um: Sie fordert beim Kopierschutzdienst des Systems einen Client an, entschlüsselt und abgespielt wird der Inhalt von der Medien-Pipeline des Fernsehers. Der Hersteller führt dafür plattformseitig PlayReady und Widevine Modular auf; die hardwaregestützte Widevine-Stufe L1 nennt er erst ab webOS TV 3.5. Verlangt eine Quelle ein Verfahren oder eine Stufe, die Ihr Gerät nicht mitbringt, scheitert die Wiedergabe unabhängig davon, welche Anwendung sie startet.
Der Arbeitsspeicher ist der der Laufzeitumgebung. Eine sehr lange Senderliste und vollständige Programmdaten wollen im Speicher gehalten werden – in einer Umgebung, die für gewöhnliche Anwendungen bemessen ist und sich den Speicher mit der Bedienoberfläche des Fernsehers teilt. Knappheit äußert sich hier nicht als Bildfehler, sondern als zähes Blättern, als spätes Umschalten und als eine Programmübersicht, die sekundenlang aufbaut. Das ist kein Fehler der Playlist.
Im Hintergrund ist wenig zu erwarten. Der Hersteller kennt für eine Anwendung drei Zustände: nicht gestartet, im Vordergrund gestartet und im Hintergrund angehalten. Starten Sie eine andere Anwendung, wird die bisherige unsichtbar und angehalten; für Hintergrundaufgaben bleibt ihr nach der Dokumentation nur eine kurze Zeit, die dort nicht beziffert wird. Funktionen, die dauerhaftes Weiterlaufen voraussetzen, etwa eine Aufnahme im Hintergrund oder das nächtliche Nachladen von Programmdaten, sind auf dieser Plattform deshalb nichts, was Sie voraussetzen sollten. Ob der Wechsel auf einen anderen Eingang ebenso wirkt, sagt die Dokumentation nicht – das prüfen Sie am Gerät.
Die Reihenfolge, in der Sie suchen sollten
Wenn auf einem Fernseher ein Kanal nicht läuft, während andere sauber laufen, ist der Player selten die Ursache. Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Läuft derselbe Kanal auf einem anderen Gerät im selben Netz? Wenn ja, liegt es nicht an der Leitung, sondern am Fernseher – dann sind Codec oder Kopierschutz die naheliegenden Kandidaten. Wenn nein, ist es ein Netz- oder Quellenproblem und hat mit der Plattform nichts zu tun.
Was die Hardware festlegt und keine Aktualisierung nachrüstet
Ein Fernseher wird für ein Jahrzehnt gekauft, seine Software altert schneller als sein Bild. Vier Eigenschaften stehen mit dem Kauf fest.
Codec-Unterstützung. Siehe oben: beim Bau des Geräts festgelegt, über die Lebensdauer unverändert. Es ist die einzige Eigenschaft in dieser Liste, die sich später weder durch eine Anwendung noch durch Zubehör ändern lässt.
Arbeitsspeicher. Er wird zwischen Bedienoberfläche, Systemdiensten und Anwendung geteilt und bestimmt, wie flüssig sich lange Listen bedienen lassen.
Netzwerk. Fernseher bringen in der Regel einen Netzwerkanschluss mit – anders als HDMI-Sticks. Dieser Vorteil bleibt häufig ungenutzt, obwohl eine Kabelverbindung die häufigste Ursache für unruhige Wiedergabe schlicht ausschaltet. Welche Funkbänder das eingebaute Modul beherrscht, ist dagegen geräteabhängig: Das 2,4-GHz-Band reicht weiter, ist in Wohngebieten aber stark belegt; das 5-GHz-Band bietet mehr freie Kanäle, kommt jedoch schlechter durch Wände. Wie sich Ursachen für Ruckeln der Reihe nach eingrenzen lassen, statt sie zu raten, beschreibt die Seite zu Buffering und Ruckeln.
Wärme. Die Elektronik sitzt in einem flachen, lüfterlosen Gehäuse und wird passiv gekühlt. Dauerhafte Dekodierung in hoher Auflösung hält sie an ihrer Grenze; wird es zu warm, senken Prozessoren ihre Taktrate, um sich zu schützen. Das erklärt ein Muster, das Nutzer regelmäßig beschreiben: Die ersten Minuten laufen sauber, nach längerer Wiedergabe häufen sich Aussetzer. Ein Fernseher, der dicht an einer Wand oder in einem geschlossenen Möbel steht, verschärft das.
Was diese Plattform kann
| Kriterium | Auf webOS | Woran es hängt |
|---|---|---|
| Grundlage des Systems | Linux-basiertes System, 2013 von HP übernommen, eigenes Anwendungsformat ohne Verwandtschaft zu Android | Bauartbedingt und über Baureihen hinweg stabil |
| Bauform der Anwendungen | Web-Anwendungen in einer Laufzeitumgebung des Fernsehers | Plattformarchitektur, nicht das einzelne Modell |
| Installation außerhalb des Stores | als Nutzerfunktion nicht vorgesehen | Grundsatzentscheidung des Herstellers |
| Android-Installationsdateien verwendbar | nein, anderes Anwendungsformat | Bauartbedingt |
| Dekodierung des Streams | übernimmt der Fernseher, nicht die Anwendung | Elektronik des Modells, nicht nachrüstbar |
| Netzwerkanschluss per Kabel | bei Fernsehern in der Regel vorhanden | Ausstattung des konkreten Modells |
| Unterstützte WLAN-Bänder | nicht überprüfbar | Eingebautes Funkmodul, je Baureihe verschieden |
| Dekodierung von HEVC in Hardware | nicht überprüfbar | Elektronik des Modells, im Datenblatt nachzusehen |
| Umgesetzte Kopierschutzverfahren | plattformseitig PlayReady und Widevine Modular, Stufe L1 erst ab webOS TV 3.5 | Plattformfassung, Bausteine im Gerät und Anforderung der Quelle |
| Verfügbarkeit einer bestimmten Anwendung im Store | nicht überprüfbar | Entscheidung des Store-Betreibers, Region und Plattformgeneration |
| Verhalten bei sehr langen Senderlisten | nicht überprüfbar | Freier Arbeitsspeicher und Bauweise der Anwendung |
| Weiterlaufen im Hintergrund | Anwendungen werden beim Wechsel in den Hintergrund angehalten | Plattformarchitektur; die erlaubte Dauer von Hintergrundaufgaben ist nicht dokumentiert |
| Dauer der Systemaktualisierungen | für die genannten Baureihen des Jahrgangs 2022 stellt der Hersteller fünf Jahre in Aussicht | Ankündigung gilt nicht für jede Baureihe und sagt nichts über Sicherheitsaktualisierungen |
Die Tabelle lässt sich seitwärts scrollen.
Leere Felder sind bewusst leer gelassen. Diese Angaben unterscheiden sich je Baureihe, Region und Systemstand; sie gehören am eigenen Gerät oder im Datenblatt geprüft und nicht aus einem Ratgeber übernommen.
nicht überprüfbar bedeutet: Diese Angabe ließ sich zum Prüfzeitpunkt nicht aus öffentlich zugänglichen Quellen belegen.
Prüffragen vor dem Kauf – und wo Sie die Antwort finden
Diese Liste ersetzt keine Produktempfehlung. Sie soll Ihnen erlauben, selbst eine zu treffen, und jede Frage lässt sich an einem Gerät im Ausstellungsraum, am Datenblatt oder mit einer Rückfrage beim Händler klären.
Führt der Store die Anwendung, die Sie brauchen? Sehen Sie am Gerät selbst nach, nicht in einem Ratgeber. Das Angebot unterscheidet sich je nach Region und Plattformgeneration und kann sich ändern, während Sie noch überlegen.
Brauchen Sie überhaupt eine bestimmte Anwendung? Wird Ihr Zugang als Playlist-Adresse geliefert, die sich in einen beliebigen Player eintragen lässt, ist die Store-Frage eine Komfortfrage. Setzt der Dienst eine bestimmte Anwendung voraus, ist sie eine Ausschlussfrage. Worauf es bei der Auswahl sonst ankommt, behandelt die Entscheidungshilfe Welche IPTV-App passt?.
Welche Codecs dekodiert das Gerät in Hardware? Fragen Sie ausdrücklich nach HEVC. Diese eine Angabe entscheidet später darüber, ob ein Kanal läuft oder nicht.
Wie lange sagt der Hersteller Aktualisierungen zu? Ein geschlossenes System bindet die Nutzbarkeit der Software an die Pflege durch den Hersteller. Bei einem Gerät, das ein Jahrzehnt im Wohnzimmer steht, ist das die wichtigste Angabe nach dem Bild. Belegt ist bislang ein eigenes Programm des Herstellers, das den namentlich genannten Baureihen des Jahrgangs 2022 für die nächsten fünf Jahre ein neues Fernseherlebnis in Aussicht stellt; eine Ausweitung auf weitere Geräte kündigt die Mitteilung nur als Absicht an, eine Zahl an Systemfassungen nennt sie nicht. Lassen Sie sich für Ihr Modell deshalb ausdrücklich bestätigen, ob es darunter fällt – und beachten Sie, dass die Mitteilung zur Dauer von Sicherheitsaktualisierungen nichts sagt.
Ist ein Netzwerkanschluss vorhanden, und kommen Sie mit einem Kabel dorthin? Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme gegen unruhige Wiedergabe – und sie kostet nichts außer einem Kabel.
Bleibt ein HDMI-Anschluss frei? Wer das von vornherein einplant, nimmt der Store-Frage einen großen Teil ihres Gewichts.
Wenn der Store die Anwendung nicht führt
Dann ist der richtige Schluss nicht, den Fernseher für unzureichend zu erklären. Ein Stick oder eine kleine Box am HDMI-Anschluss bringt eine eigene Plattform mit, einen eigenen Store und – je nach System – die Freiheit, Anwendungen auch außerhalb davon zu installieren. Der Fernseher wird dabei zu dem, was er ohnehin am besten kann: ein Bildschirm. Das kostet einen Bruchteil eines Gerätewechsels und macht Sie unabhängig davon, wie lange Ihre Plattformgeneration noch gepflegt wird.
Die Abwägung zwischen einem solchen Zuspielgerät und der Bildschirmspiegelung von einem Telefon aus ist auf der Seite zu Samsung Smart TV ausführlich dargestellt; sie gilt hier unverändert, weil sie nicht am Hersteller hängt, sondern an der Geschlossenheit des Systems. Welche Plattform ein Zuspielgerät mitbringt und was daraus folgt, behandelt die Seite zu Android TV und Google TV.
Die ehrliche Einordnung
Ein LG-Fernseher ist für IPTV weder besonders geeignet noch besonders ungeeignet. Er ist ein geschlossenes System mit einer gepflegten Oberfläche, geprüften Anwendungen und ohne die Sicherheitsfragen, die eine Installation aus fremder Quelle aufwirft. Dafür geben Sie zwei Dinge ab: die Entscheidung darüber, welche Software auf Ihrem Gerät läuft, und die Möglichkeit, eine Schwäche der Hardware durch Software auszugleichen.
Der zweite Punkt ist der, der auf dieser Plattform unterschätzt wird. Weil der Player die Wiedergabe nicht selbst ausführt, ist der Fernseher nicht nur die Anzeige, sondern auch der Abspielapparat. Die Frage, welche Anwendung die schönere Oberfläche hat, ist deshalb nachrangig gegenüber der Frage, was die Elektronik darunter dekodieren kann. Wer das vor dem Kauf klärt, hat die Entscheidung im Wesentlichen getroffen – und wer es danach klärt, hat im Zweifel einen freien HDMI-Anschluss, der das Problem für wenig Geld löst.